Von Gebärdendolmetschen bis Keramikbeschichtungen: AC² – GRÜNDUNG, WACHSTUM, INNOVATION zeichnet spannende Existenzgründungsprojekte und wachstumsstarke Unternehmen aus

Insgesamt 128 Gründungsprojekte und 39 bestehende Unternehmen mit Wachstumsperspektive haben im Rahmen der Geschäftsplanwettbewerbe AC² – GRÜNDUNG, WACHSTUM, INNOVATION 2014/15 ihre Geschäftsideen und Wachstumsstrategien entwickelt. Die jeweils drei Erfolg versprechendsten Konzepte wurden am 11. Juni im Rathaus Aachen in einer gemeinsamen Preisverleihung mit dem AC²-Innovationspreis Region Aachen ausgezeichnet.

AC² – der Gründungswettbewerb

Der mit 10.000 Euro dotierte erste Preis ging an das Team ZeitGeist mit Vitali Weißbecker und Andreas Schulze Lohoff. Das geplante Gründungsvorhaben aus dem Forschungszentrum Jülich umfasst die Entwicklung und Herstellung eines neuartigen kohlenstoffbasierten Materials, das eine vielversprechende Anwendung in der Brennstoffzellentechnologie bieten soll. Dazu gehört insbesondere die Beschichtung von Bipolarplatten, die in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die metallischen Bauteile effektiver vor Korrosion zu schützen und gleichzeitig die Leitfähigkeit zu gewährleisten. Das Geschäftsmodell basiert demnach auf dem Einkauf herkömmlicher metallischer Bipolarplatten, die ZeitGeist beschichten und gewinnbringend an Brennstoffzellen-Hersteller vertreiben will. Dabei soll in enger Zusammenarbeit mit dem Geschäftskunden eine neue aufeinander abgestimmte und leistungsstarke Brennstoffzellengeneration entwickelt werden. Die Beschichtung aus dem neuartigen Material verspreche eine Reduktion des Gewichts um fast 70 Prozent und des Volumens um rund 30 bis 40 Prozent. Damit verbunden sei eine deutliche Kostenreduktion. Das Unternehmen, dessen Name noch nicht endgültig feststeht, soll im zweiten Quartal 2016 als GmbH gegründet werden.

Den zweiten Preis und 7.500 Euro erhielt das Aachener Team aquila biolabs GmbH mit Jens Bayer, Daniel Günes, Konrad Herzog und David Frank. aquila biolabs ist angetreten, um die Prozessanalytik in Schüttelkolben zu revolutionieren. Den „cell growth quantifier“ (cgq) beschreibt das Unternehmen als innovatives Laborgerät, das die Prozessüberwachung und Analyse von Schüttelkolbenfermentationen automatisiert und durch seinen modularen Aufbau einfach in jede bestehende Laborinfrastruktur integriert und für die Bedürfnisse jedes Kunden individuell konfiguriert werden könne. Der Einsatz des cgq soll den Hochdurchsatz von Schüttelkolbenfermentationen ermöglichen und gleichzeitig innovatives Prozesswissen generieren. Dadurch werde das Verständnis der kundeneigenen Bioprozesse nachhaltig verbessert, Entwicklungszeiten würden verkürzt und Entwicklungskosten deutlich gesenkt. Damit werde ein Grundproblem bei einer der am häufigsten eingesetzten „Life-Science-Basistechnologien“ gelöst, da diese Analyseprozesse bisher manuell überwacht werden und somit eine hohe Fehleranfälligkeit mit sich bringen. Die aquila biolabs GmbH wurde im August 2014 in Aachen gegründet. Das Geschäftsmodell basiert auf der Produktion und dem Vertrieb des cgq an Kunden in der akademischen und industriellen biotechnologischen Forschung, Entwicklung und Produktion.

Der dritte Preis in Höhe von 5.000 Euro ging an das StartUp Innoclamp GmbH von Roman Kalocsay und Christian Kolvenbach, einem Spin-off aus dem Aachener Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie. Das Unternehmen versteht sich als Industriedienstleister und Systemlieferant für Automatisierungslösungen mit Spezialisierung auf die Entwicklung und Konstruktion von Spannsystemen, mit denen komplexe Freiformwerkstücke bei spanender Bearbeitung in den Werkzeugmaschinen hochgenau automatisch ausgerichtet und schwingungsdämpfend fixiert werden können. Neben Serienprodukten liegt die Kernkompetenz der Innoclamp in der Produktion von Sonderkonstruktionen. In diesem Bereich werden neuartige Spann- und Automatisierungslösungen entwickelt, gefertigt und im Produktlebenszyklus betreut, die genau auf die spezifische Produktionsaufgabe des Kunden angepasst werden sollen. Neben den Produkten bietet die Innoclamp eine technologische Spanntechnikberatung an, die eine Analyse der Wertschöpfungskette der Produktion des Kunden beinhaltet.

AC² – die Wachstumsinitiative

Der erste Preis und 5.000 Euro gingen an die Manos GbR, einem Dolmetschservice für Gebärdensprache. Seit 2006 betreiben Gisela und Simone Binczyk mit heute acht Mitarbeitern ihr Unternehmen in Düren. Eine erste Zweigstelle in Köln existiert bereits. Neben dem klassischen Geschäft – dem Dolmetschen von Lautsprache in deutsche Gebärdensprache und umgekehrt – möchten die Unternehmerinnen ihr Angebot in Richtung Taubblinden-Assistenz, Schriftdolmetschen und neue Formen der Arbeitsassistenz erweitern. Ihr Arbeitseinsatz erfolgt in den unterschiedlichsten Einsatzgebieten – sowohl vor Ort als auch über Videotelefonie. Die Themenbereiche umfassen Kommunikationssituationen in allen Lebensbereichen, in denen hörbehinderte mit hörenden Menschen in Kontakt treten. Kunden aus der Eventbranche erhalten Komplettpakete, mit deren Hilfe sie Veranstaltungen barrierefrei gestalten können Mit der deutschlandweiten Eröffnung von Manos-Filialen soll das Unternehmen weiter ausgebaut werden. Dabei soll die Gründung und Entwicklung der Manos-Akademie ein wichtiger Wachstumsschritt sein, um qualifiziertes Personal für den Einsatz in den Filialen auszubilden und zu binden. Das Portfolio soll um Angebote für externe hörende und gehörlose Kunden ergänzt werden. Neun neue Arbeitsplätze sind bis 2018 geplant

Gewinner des zweiten Preises in Höhe von 2.500 Euro ist die Heinsberger Gebrüder Otto Gourmet GmbH. Seit zehn Jahren liefern Michael, Stephan und Wolfgang Otto mit einem ausgeklügelten Logistik- und Service-Konzept hochwertiges Fleisch deutschlandweit per Online-Handel an Privatkunden und Gastronomie. Das Angebot bietet ausschließlich „Genussfleisch“ mit hohen Qualitätsanforderungen wie: beste Fleischrassen, natürliches Futter, artgerechte Haltung, 100-prozentige Rückverfolgbarkeit, perfekte Reifung und optimales Schlacht-Alter. Ergänzt wird das Portfolio um Events wie Koch- und Grillkurse, die „Perfect Meat Academy“, die „Weber Grill Academy“ sowie dem „MeatClub“. Geschäftsfelder wie Catering und Moderation im Zusammenhang mit Firmenveranstaltungen und Messebeteiligungen bei Business-Kunden werden ebenfalls bedient. Mit „MännerMetzger“ will das Unternehmen nun ein stationäres Vertriebskonzept aufbauen. Das Angebot soll eine Kombination von Bistro mit Verkaufslokal und Probierraum sowie Bestell- und Abholstation darstellen und darüber hinaus einen Bereich für hochwertige Gastronomie bieten. 20 Standorte sollen bis 2018 entstehen. Die Umsetzung der Idee soll 77 neue Beschäftigungsverhältnisse schaffen und damit die Belegschaft von 61 auf 138 Mitarbeiter wachsen lassen.

Mit dem dritten Preis und 1.000 Euro wurde die 2010 als Spin-off der RWTH Aachen gegründete Meotec GmbH & Co. KG ausgezeichnet. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Erforschung und Herstellung funktionaler Oxidkeramiken für den Einsatz in der Medizintechnik. Durch ein speziell entwickeltes und patentiertes Verfahren wandelt Meotec die Oberfläche von Magnesium in eine gegenüber dem Magnesium korrosionsbeständigere Keramik um. Im Bereich industrieller Anwendungen fokussiert sich das Unternehmen auf die Automobil- sowie die Luft- und Raumfahrttechnik. Hier will sich Meotec als Entwicklungsdienstleister für funktionale Oberflächenbeschichtungen etablieren. Darüber hinaus möchte sich das Unternehmen als Zulieferer für Magnesiumlegierungen in der Medizintechnik platzieren. Es plant die eigene Produktion von resorbierbaren Magnesiumimplantaten. Vorteil für Patienten sei der einmalige Eingriff und die verkürzte Genesungsdauer. Für das Gesundheitssystem ergebe sich ein ökonomischer Vorteil, da Revisionsoperationen entfallen. Der Markteintritt soll durch Vertriebskanäle etablierter Partner gelingen. Die Mitarbeiterzahl soll von derzeit neun auf 13 Vollzeitstellen gesteigert werden.

(Quelle)

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