Neue App des Start-ups Boxmesh-App macht den Nachbarn zur Packstation

Versuche, das Problem nicht zustellbarer Sendungen zu lösen, gibt es bereits einige. Das Start-up „Boxmesh“ setzt mit einer neuen App jetzt auf den in Deutschland bevorzugten Weg bei der Entgegennahme von Paketen: die gegenseitige Nachbarschaftshilfe.

Rund eine Milliarde Pakete werden in Deutschland im Zuge des wachsenden Online-Handels heute jährlich an Konsumenten verschickt. Gut die Hälfte davon findet den Weg zum Empfänger nur auf teils deutlichen Umwegen. Knapp 300 Mio. Euro würden Paketdienstleister in Deutschland jährlich auf der letzten Meile einsparen, wenn sie ihre Sendungen gleich beim ersten Mal zustellen könnten: beim Empfänger direkt oder am Arbeitsplatz, an Paketautomaten oder einer zentralen Abholstelle. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung A.T. Kearney in ihrer Studie (bit.ly/1Fj2awI). Vor diesem Hintergrund gibt es in jüngster Zeit verschiedene Versuche, das Problem nicht zustellbarer Sendungen zu lösen, etwa die Lieferung in den Kofferraum (ein Projekt von Audi, Amazon und DHL) oder das Prinzip von Paketboxen an der Haustür sowie Paketkästen vor der Tür.

„Die Akzeptanz der Kofferraum-Lösung muss ihre Praxistauglichkeit noch unter Beweis stellen. Paketboxen funktionieren bislang immer nur mit einem Dienstleister und die Zustellung ins Büro ist organisatorisch kaum durchführbar sowie vielerorts auch gar nicht erlaubt“, sagt Michael Zölzer. Der Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Boxmesh aus München setzt daher auf einen neuen Ansatz: die Nachbarschaftshilfe. Seit 8. Juli 2015 ist die Boxmesh-App im Apple App-Store verfügbar, eine Android-Version folgt in Kürze.

Das Prinzip von Boxmesh: Der Nutzer registriert sich auf der App mit seiner Adresse und erhält dann auf einer Karte alle ebenfalls registrierten Anwender in der Nähe angezeigt. Per „Handshake“ kann er sich mit ihnen verbinden und vereinbaren, dass er dessen Adresse beim Online-Shop für die nächste(n) Sendung(en) als Lieferanschrift angeben kann. Darauf aufbauend wird der weitere Zustell- und Abholprozess unterstützt. Als Kernelement bietet die App eine Chatfunktion zur Vernetzung der Nachbarn. Sofort nach ihrer Registrierung können sich die Nutzer per Chat mit ebenfalls angemeldeten Nachbarn über erhaltene Pakete austauschen und die Abholung über die App miteinander abstimmen. So fördert die App über den rein technischen Ansatz hinaus von Anbeginn das Miteinander.

Social Networks für die gegenseitige Nachbarschaftshilfe setzen sich hierzulande immer stärker durch, dies zeigen erfolgreiche Projekte wie DoMeAFavour, WirNachbarn oder FragNebenan. Für 2015 hat auch der in den USA führende Anbieter Nextdoor seinen Markteintritt in Deutschland angekündigt. Diesen Trend macht sich Boxmesh zunutze und umschifft dabei die Schwächen bisheriger Versuche, das Problem bei der Paketzustellung mittels Kofferraum, Arbeitsplatz oder Paketbox zu lösen. Dass Boxmesh auf den richtigen Zustellweg setzt, zeigen verschiedene jüngste Umfragen. Demnach bevorzugen es 77 % der Deutschen, ihr Paket über Nachbarn zu erhalten.
Die Boxmesh-App ist insbesondere für größere Mietshäuser geeignet, während Zielgruppe der Paketkasten-Services eher Bewohner von Ein- bis Zweifamilienhäusern sind. Großer Pluspunkt der App ist ihre vollständige Unabhängigkeit vom Paketdienstleister. Als weiterer Clou können auch lokale Geschäfte wie Shops, Tankstellen und Fitnessstudios anbieten, für ihre Nachbarn Pakete in Empfang zu nehmen. So erhalten Bestandskunden zusätzlichen Service und neue Kunden können über die Laufkundschaft gewonnen werden.

Boxmesh ist für die Nutzer kostenlos, eine spätere Premium-Variante wird angedacht. Die Gebühr hierfür soll jedoch, ähnlich wie bei WhatsApp, nicht mehr als einen Euro jährlich betragen. Das Start-up arbeitet derzeit an weiteren Finanzierungsmodellen und führt hierzu Gespräche mit den Paketdiensten wie DHL, Hermes und UPS. „Als zusätzliche Möglichkeit prüfen wir eine Kooperation mit ausgewählten Online-Shops“, erklärt Michael Zölzer. „Bei ihnen können Boxmesh-Kunden einen Rabatt erhalten, wenn sie die Lieferung des Shops über unsere App garantiert beim ersten Versuch für ihre Nachbarn annehmen.“

Finanziert wird Boxmesh derzeit durch Fördergelder der EU über SpeedUP! Europe, einen der größten Start-up-Accelerator in Europa, sowie die Firmengründer. Weitere Möglichkeiten der Fremdfinanzierung werden derzeit eruiert.

(Quelle: Boxmesh GmbH – www.boxmesh.de)

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