Interview: Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich durch die Kooperation – für Fraunhofer Venture und für den High-Tech Gründerfonds?

Fraunhofer Venture arbeitet künftig noch enger mit dem High-Tech Gründerfonds zusammen. Durch die Kooperation sollen die Möglichkeiten der Seedfinanzierung, also der Finanzierung in der Frühphase von Gründungsprojekten, ausgebaut werden. Thomas Doppelberger, Leiter von Fraunhofer Venture, und Dr. Alex von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, erklären, wie Ausgründungen mithilfe früher Investitionen in Zukunft umgesetzt werden.

In dieser frühen Phase schon zu beurteilen, ob eine Ausgründung erfolgreich sein wird, ist schwierig. Wie sollte sich das Start-up präsentieren? Worauf achten Sie bei der Finanzierungsentscheidung?

von Frankenberg: Der High-Tech Gründerfonds beteiligt sich jährlich an etwa 40 bis 50 Start-ups und Ausgründungen. Viele sind erfolgreich, manche sind gescheitert, aber aus beidem kann man lernen. Spannend sind für uns vor allem Technologieprojekte, Unternehmen oder Spin-offs, die einen attraktiven Markt adressieren und so eine gewisse Größe erreichen und Gewinne erzielen können.

Genauso wichtig ist es, ein Gründerteam zu haben, mit dem man den Weg einer Gründung gehen kann. Und da hier die typischen Kriterien für die Seedphase sehr unklar sind, legen wir Wert darauf, die Menschen kennenzulernen. Wir wollen wissen, welche Erfahrungen und Hintergründe sie mitbringen und ob sie ambitioniert und gleichzeitig realistisch an die Dinge herangehen. Dabei ist Authentizität und Ehrlichkeit wichtig. Oft erhalten wir zwar sehr gute Businesspläne, die aber nicht wirklich von den Gründern verfasst wurden und den sie selbst nicht einmal richtig kennen. Und wenn Begeisterung und Leidenschaft für das Thema und das Gründungsprojekt fehlen, kann es schnell kompliziert werden, sobald man in schwieriges Fahrwasser gerät.

Doppelberger: Oftmals ist das Gründerteam auch einfach nicht komplett. Gerade bei Fraunhofer-Ausgründungen liegt es in der Natur der Sache, dass das Team tendenziell eher techniklastig ist. Die Gründer müssen dann entweder bereit sein, sich fehlende Kompetenzen wie etwa vertriebliches Know-how selbst anzueignen oder Externe hinzuzuholen. Hier sollten Gründer offen für Ratschläge und Ergänzungen sein.

Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich durch die Kooperation – für Fraunhofer Venture und für den High-Tech Gründerfonds?

Doppelberger: Im Sinne unserer neuen Ausgründungs- und Beteiligungsstrategie möchten wir mögliche Gründer motivieren und Ausgründungsprozesse innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft nachhaltig etablieren. Und dafür besteht natürlich vor allem in der Seedphase ein großer Finanzierungsbedarf. Hier können wir gemeinsam mit dem High-Tech Gründerfonds noch mehr Ausgründungsprojekte unterstützen. Außerdem verfügt der High-Tech Gründerfonds über ein großes Netzwerk, von dem Fraunhofer profitieren kann, wenn es zum Beispiel um Folgeinvestments oder die Komplettierung des Managements geht.

von Frankenberg: Wir verfügen derzeit über ein Netzwerk aus über 1.200 verschiedenen Investoren, mit denen wir gemeinsame Beteiligungen haben oder hatten. Damit können wir Fraunhofer-Ausgründungen bei der Suche nach weiteren Finanzierungen unterstützen. Gleichzeitig suchen wir immer nach spannenden Beteiligungsmöglichkeiten. Und die Fraunhofer-Gesellschaft bringt mit ihrer anwendungsnahen Forschung zahlreiche tolle Technologien und auch Gründerpersönlichkeiten hervor.

Doppelberger: Am Ende geht es darum, jeweils vom Know-how des anderen zu profitieren, um mit dem gemeinsamen Wissens- und Erfahrungspool besser einschätzen zu können, welche Ideen wirklich marktfähig umgesetzt werden können und welche Vorhaben noch verbessert werden müssen. So können wir gemeinsam zum Beispiel besser beurteilen, welche Projekte eventuell beschleunigt werden sollten, um den First-Mover-Advantage auszuspielen. Letztendlich ergibt sich eine Win-win-Situation für alle drei Partner – Fraunhofer Venture, den High-Tech Gründerfonds und die Ausgründung.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten sind denkbar und welche gemeinsamen Aktivitäten sind schon geplant?

von Frankenberg: Standardmäßig investiert der High-Tech Gründerfonds in der Startphase 500.000 € und beteiligt sich mit 15% als Gesellschafter am Unternehmen. Und auch nach der ersten Runde können wir nachfinanzieren. Da halten wir uns aber gerne zurück, da es nach der Anfangsphase sinnvoll ist, private Investoren zu finden, die auch an das Unternehmen glauben und investieren. Sollte es aber nötig sein, können wir die Gründung natürlich auch alleine weiter finanzieren.

Doppelberger: Auch die Fraunhofer-Gesellschaft hat über eine Leitlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Möglichkeit, Start-ups in der Seedphase zu unterstützen. Generell ist es aber nicht leicht in dieser Phase einzuschätzen, wie viel in eine Unternehmensgründung investiert werden sollte oder muss. Für uns ist es daher einfacher, wenn der High-Tech Gründerfonds bereits als Lead-Investor aktiv ist und wir als Co-Investor miteinsteigen und damit einen Teil zum Volumen, das dem Unternehmen zur Verfügung steht, beitragen. Außerdem ergänzen sich unsere Maßnahmen – wie etwa das Programm »FFM – Fraunhofer fördert Management«, mit dem wir Geld für Coaching- oder Interimsmanagementleistungen bereitstellen – mit den Finanzierungsmöglichkeiten durch den High-Tech Gründerfonds.

Der High-Tech Gründerfonds stellt Coaches zur Verfügung, die die Gründer unterstützen. Was leisten diese Coaches genau?

von Frankenberg: Wir haben derzeit ein Netzwerk aus etwa 80 akkreditierten Coaches, die die Gründer in sämtlichen operativen Fragen unterstützen können. Dabei beraten sie die Unternehmen beispielsweise beim Aufbau einer Controlling-Struktur oder auch beim Recruiting und führen Bewerbungsgespräche oder übernehmen die Kommunikation mit dem Steuerberater. Dabei ist es uns wichtig, dass es sich nicht um eine aufgezwungene Beratung handelt. Die Coaches sollen den Gründern helfen, bestehende operative Lücken zu schließen.

Doppelberger: Aus unserer Erfahrung heraus kann ich sagen, dass der Bedarf eines solchen Coaches in der Gründungsphase sehr groß ist. Es ist eine einfache Möglichkeit, die Kompetenzen des Gründerteams zu komplettieren. Und dieses bereits bestehende Netzwerk nutzen zu können, bietet für Fraunhofer-Ausgründungen natürlich einen großen Mehrwert.

Ein gemeinsamer Gründerpreis ist auch geplant: Was soll er auszeichnen?

Doppelberger: Mit dem Gründerpreis möchten wir ein erfolgreich am Markt positioniertes Unternehmen auszeichnen. Einerseits, um herausragende Gründeraktivitäten zu honorieren und um zu zeigen, dass uns Technologietransfer wichtig ist. Andererseits aber auch, um Fraunhofer-Forscher auf die Unterstützung, die wir bei Gründung eines Unternehmens bieten, aufmerksam zu machen.

von Frankenberg: Es gibt derzeit zwar einen großen Aufschwung in der Start-up-Branche, aber das Potential ist bei Weitem nicht ausgeschöpft. Vor allem im Bereich der technologiestarken Themen kann man noch viel bewegen. Viele müssen einfach nur ermutigt werden, diesen Weg einzuschlagen. Und durch solche Best-Practices, wie die Unternehmen, die wir mit dem Gründerpreis auszeichnen möchten, finden sich sicherlich Nachahmer.

Und zum Schluss ganz konkret: Wie läuft eine Unterstützung von Fraunhofer-Ausgründungen durch Fraunhofer Venture gemeinsam mit dem High-Tech Gründerfonds ab?

Doppelberger: Um von unseren Maßnahmen zur Förderung von Ausgründungen profitieren zu können, müssen Gründungswillige uns natürlich zunächst ihre Idee vorstellen. Bereits bei diesem Schritt möchten wir künftig auch den High-Tech Gründerfonds als externen Evaluatoren miteinbinden. Gemeinsam werden wir dann Tipps geben, was zu tun ist, um das Ausgründungsprojekt voranzubringen. Und dabei können die Gründer natürlich unser gesamtes Portfolio an Förderprogrammen nutzen: Mit dem Programm »FFE – Fraunhofer fördert Existenzgründung« schaffen wir zeitliche und finanzielle Spielräume, um das Ausgründungsvorhaben voranzutreiben. Bei der Ergänzung der unternehmerischen Fähigkeiten des Gründerteams mit wichtigen Managementkompetenzen unterstützen wir mit dem bereits erwähnten FFM-Programm. Während der gesamten Betreuung und Begleitung der Gründer, sehen wir den High-Tech Gründerfonds als kompetenten Partner, der uns bei Entscheidungen unterstützt und den Ausgründungen die nötige Finanzierung in der Frühphase zur Verfügung stellt.

(Quelle)

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