Kleine Kapseln mit grosser Wirkung

Kleine Kapseln mit grosser Wirkung

06.12.2018

Von:  Sybille Zimmermann

Die beiden ETH Pioneer Fellows Alessandro Ofner und Michael Hagander haben eine patentierte Technologie für Mikrokapseln und Mikropartikel entwickelt, die eine genaue Grössenkontrolle, präzise Dosierung und erhöhte Stabilität ermöglicht. Damit setzt das Microcaps-Team neue Massstäbe in puncto Präzision für Alltagsprodukte der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie.

Tropfen einer Öl/Wasser/Öl Emulsion mit zwei unterschiedlichen Kernen
Tropfen einer Öl/Wasser/Öl Emulsion mit zwei unterschiedlichen Kernen. Sowohl die Kerntropfen als auch die umschliessenden Wassertropfen sind alle genau gleich gross. (Bild: Microcaps)

Alessandro und Michael, für welche Art von Anwendung sind Ihre Mikrokapseln vorgesehen?

Die Technologie unserer Mikrokapseln ist für eine breite Palette von Produkten einsetzbar – zum Beispiel in kosmetischen und pharmazeutischen Produkten, aber auch für Nahrungsmittel und in der Agrochemie. Das Revolutionäre an unserer Technologie ist, dass wir in der Lage sind, die Kapseln in grossen Mengen zu produzieren, und zwar alle mit der gleichen Grösse. Da sie alle exakt gleich gross sind, verhalten sie sich genau gleich. Unsere Mikrokapseln können Wirk-, Duft- oder Geschmackstoffe transportieren und ermöglichen eine massgeschneiderte Freisetzung, präzise Dosierung und spezifische Aufnahme. Nehmen wir zum Beispiel ein Mikropartikel als Plattform für die Medikamentenverabreichung: Durch die hohe Präzision der Grösse lässt sich direkt steuern, wo und wann der Wirkstoff im Körper freigesetzt wird

 

Was ist neu an Ihrer Technologie?

Bei der Mikroverkapselung liessen sich grosse Mengen bislang nur auf unkontrollierte Weise herstellen. Eine Grössenkontrolle war nur im Labormassstab möglich. Microcaps hat vier Jahre lang an der Skalierung und Parallelisierung gearbeitet und ermöglicht heute einen 1000-fach höheren Durchsatz von gleichförmigen Mikrokapseln im Vergleich zu aktuellen Verfahren. Uns ist es gelungen, winzige Flüssigkeitskanäle in einem gläsernen Gerät massiv zu parallelisieren. So können wir eine grosse Vielzahl verschiedener Stoffe mit dem gleichen Gerät verarbeiten.

Was sind die Vorteile, und warum ist Grössenkontrolle so wichtig?

Bei heutigen mikroverkapselten Produkten lässt sich weder die durchschnittliche Partikelgrösse noch die Verteilung der Partikelgrösse kontrollieren. Für viele Produkte ist dies unzureichend. Wir denken, es ist wichtig zu wissen, wann, wo und in welcher Menge ein Wirkstoff in unseren Körper gelangt. Das Wissen, wie sich eine bestimmte Partikelgrösse im Körper verhält, kombiniert mit der Fähigkeit, die besagten Partikel präzise herzustellen, ist neu für die Branche. Das erhöht nicht nur die Wirksamkeit von Medikamenten, sondern hat auch das Potenzial, Nebenwirkungen für Patienten zu reduzieren. In der Kosmetikindustrie bieten grössenkontrollierte Mikrokapseln einen weiteren Vorteil: Sie ordnen sich auf eine kristalline Weise an, die eine wunderbare optische Wirkung hat.

Was ist Ihre Vision, und was sind Ihre Ziele für nächstes Jahr?

Wir haben vor, die neueste Generation der Wirkstoffverabreichungsplattform weiterzuentwickeln. Wir möchten in den nächsten zwei Monaten das Unternehmen gründen und das ETH Spin-Off-Label erhalten. Momentan sind wir auf der Suche nach konkreten Pilotprojekten mit Industriepartnern und stärken unser Team mit Experten im pharmazeutischen und kosmetischen Bereich.

Alessandro Ofner (links) und Michael Hagander
Alessandro Ofner (links) hat Materialwissenschaft und Michael Hagander (rechts) Maschinenbau an der ETH Zürich studiert.

Kontakt / Links:

Website Microcaps

Alessandro Ofner bei LinkedIn        Michael Hagander bei LinkedIn

 

Quelle: https://www.ethz.ch/

Bild: Tropfen einer Öl/Wasser/Öl Emulsion mit zwei unterschiedlichen Kernen. Sowohl die Kerntropfen als auch die umschliessenden Wassertropfen sind alle genau gleich gross. (Quelle Bild: Microcaps)

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