Photonen im Magnetfeld – Start in die Zukunft der Krebstherapie

Das Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie (OncoRay) in Dresden hat heute einen Fördermittelbescheid für die Anschaffung eines MR-Linearbeschleunigers erhalten. Mit seiner Hilfe soll die Photonenbestrahlung präziser und effektiver werden.

Die Medizinische Fakultät der TU Dresden hat heute einen Zuwendungsbescheid in Höhe von rund neun Millionen Euro erhalten. Die Übergabe fand im Rahmen eines Besuchs des Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay durch den Sächsischen Staatsminister für Wissenschaft, Sebastian Gemkow, statt. Die Forschungsgelder setzen sich aus Mitteln des Freistaats und des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zusammen. Sie sind Teil eines vom Haushalts- und Finanzausschuss des Sächsischen Landtages freigegebenen Finanzpaketes über insgesamt rund 90 Millionen Euro, die in den kommenden Jahren in mehr als 25 Forschungsprojekte an Hochschulen und außeruniversitären Instituten fließen sollen.  „Mit dieser großen Investition geben wir der Krebsforschung in Sachsen einen neuen Schub. OncoRay hat auf dem Gebiet der Radioonkologie und Strahlentherapie bereits eine Spitzenposition im nationalen, aber auch internationalen Vergleich inne, die sie nun weiter ausbauen kann. Ich freue mich sehr, dass Sachsen hier ganz vorn mitspielt: Es ist der Start für eine neue Generation der Krebstherapie“, sagte Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow bei der heutigen Übergabe des Förderbescheides.

Im Nationalen Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay, getragen von der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), arbeiten rund 80 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen intensiv zusammen, darunter sind Mediziner, Physiker, Biologen und Informatiker. Ihr gemeinsames Ziel ist die Entwicklung einer noch präziseren und genaueren Strahlentherapie für Krebspatienten.

„Für die Hochschulmedizin Dresden spielt die gezielte Förderung des Freistaats in Forschungsprojekten zu innovativen Therapien eine wichtige Rolle. Seit mehr als 20 Jahren bildet diese Unterstützung eine verlässliche Basis dafür, dass Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum ihr gemeinsames wissenschaftliches Profil kontinuierlich weiterentwickeln können“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums: „Die jetzt zur Verfügung gestellten Gelder unterstützen dabei nicht die Wissenschaft um der Wissenschaft willen, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur patientennahen Forschung. Bereits im kommenden Jahr werden dank des innovativen Bestrahlungsgeräts Krebspatienten noch gezielter und schonender behandelt als bereits jetzt schon. Dresden und Sachsen unterstreichen damit erneut die Top-Position, die sie sich auf europäischer Ebene erarbeiten konnten.“

Aktuell werden zur Einstellung eines Patienten vor der Bestrahlung Röntgenkontrollaufnahmen oder eine Computertomographie herangezogen. Diese können aber Weichgewebstumore, das heißt 60 bis 70 Prozent aller zu bestrahlender Tumore, nicht oder nur indirekt darstellen. Der MR-Linearbeschleuniger besteht aus einem Magnetresonanztomographen und einem Linearbeschleuniger, der Photonenstrahlung liefert. Mit den Photonen, energiereichen elektromagnetischen Wellen, wird das Erbgut (DNA) von Krebszellen beschädigt. Die Zellen sterben dadurch ab und vermehren sich nicht weiter. Der MR-Linearbeschleuniger hat zum Ziel, das Umgebungsgewebe zu schonen, höhere Bestrahlungsdosen zu möglichen und den Behandlungszeitraum zu verkürzen.

„Die onkologischen Behandlungen werden stets genauer und dadurch auch komplexer, so auch die Strahlentherapie. Mit dem MR-Linearbeschleuniger können wir kleinste Tumore in schwer zugänglichen Körperregionen identifizieren und sicher bestrahlen“, so Frau Prof. Esther Troost, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie  des Universitätsklinikums Dresden und Leiterin der Abteilung „Bildgestützte Strahlentherapie” am Institut für Radioonkologie – OncoRay des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf sowie am OncoRay – Nationales Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie. „Zusammen mit anderen nationalen und internationalen Standorten möchten wir Patienten identifizieren, die von dieser Therapieform profitieren und das Verfahren darüber hinaus weiterentwickeln.“

Es ist der Start für eine neue Generation der Krebstherapie. Dresden ist nach Tübingen, Heidelberg und München nunmehr der vierte Standort deutschlandweit und der erste in Ostdeutschland, an dem das neue Therapieverfahren möglich sein wird. „Angesichts einer wachsenden Zahl von Krebspatienten haben die hier geplanten Studien zu der bildgeführten Photonenbestrahlung enorme gesellschaftliche Bedeutung“, erklärt der Kanzler der TU Dresden, Dr. Andreas Handschuh, in seinem Grußwort. „Der Dresdner Hochschulmedizin ist es in den vergangenen Jahren gelungen, einen Spitzenplatz in der deutschen und auch der europäischen Forschungslandschaft einzunehmen. Neben exzellenten Köpfen wird auch eine exzellente Infrastruktur benötigt. Dieses Förderprojekt ist ein weiterer Baustein und macht Dresden zu einem Standort mit Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.“, so Handschuh weiter.“

Der MR-Linearbeschleuniger wird sein neues Zuhause im Gebäude des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) finden. Dort wurden die baulichen Voraussetzungen geschaffen, so dass geplant ist, in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 mit den Behandlungen zu starten.

BILD: Photonen im Magnetfeld – Start in die Zukunft der Krebstherapie
© Hochschulmedizin Dresden KP

Weitere Informationen: https://tu-dresden.de

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