Report „State of European Tech 2020“: Tech-Investments in Deutschland europaweit am zweithöchsten – trotz Covid-19

Report „State of European Tech 2020“: Tech-Investments in Deutschland europaweit am zweithöchsten – trotz Covid-19

 

  • Tech-Investments in Deutschland fallen insgesamt um 22 Prozent auf 5,4 Milliarden US-Dollar.
  • Vier der 20 größten europäischen Tech-Hubs liegen in Deutschland.
  • Auffällig in Deutschland: Hiesige Tech-Unternehmen erhalten und vergrößern ihren Wert durch Börsengänge.

 

London/Berlin, 08. Dezember 2020 – Covid-19 befeuert den Umstieg auf digitale Technologien – davon profitiert die europäische Tech-Industrie als einer der großen Netto-Nutznießer. Laut des Reports „State of European Tech“ des europäischen Wagniskapitalgebers Atomico sind private Investments in europäische Tech-Startups auf bestem Wege, die neue Rekordsumme von 41 Milliarden US-Dollar zu erreichen; 18 europäische Unternehmen erhalten im Jahr 2020 darüber hinaus Unternehmensbewertungen von über einer Milliarde US-Dollar. Zwar fällt das Finanzierungsvolumen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 5,4 Milliarden US-Dollar, dies ist allerdings immer noch der zweithöchste Wert in Europa.

 

Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Dachfonds sowie Stiftungen aus Europa und der ganzen Welt steigerten ihre Investments – im Vergleich zu vor fünf Jahren – um das Dreifache. Dies belegt eine substanzielle, nachhaltige und wachsende Ausrichtung auf europäische VCs.

 

Der jährliche Report The State of European Tech des Wagniskapitalgebers Atomico – entstanden in Partnerschaft mit der Tech-Konferenz Slush, der weltweit tätigen Tech-Anwaltskanzlei Orrick sowie der Silicon Valley Bank – belegt das kontinuierliche Wachstum der europäischen Tech-Wirtschaft.

 

„In der europäischen Tech-Branche sehen wir ein stärkeres Zusammenspiel zwischen Venture Capital, Private Equity und öffentlichen Märkten. Es entstehen mehr M&A-Gelegenheiten, eine wachsende Zahl zukünftiger IPO-Kandidaten und die Branche profitiert bei Neugründungen systematisch von bereits erfahrenen Tech-Talenten. Um diesen Kreislauf weiter zu beschleunigen, muss Europa seinen Unternehmen weitere Wege zu Liquidität eröffnen. Und zwar in einer Weise, die Europas Macher und Investoren begünstigt – und gleichzeitig die Spitzen-Talente bindet“, betont Tom Wehmeier, Partner bei Atomico und Co-Autor des Reports. „Indem wir die Werte europäischer Technologieunternehmen erschließen, und diese anschließend erhalten, unterstützen wir das Wirtschaftswachstum des gesamten Kontinents – und stellen die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Tech-Ökosystems auf der globalen Bühne sicher. Dieser Prozess ist bereits angelaufen und wird zukünftig schneller vonstattengehen, davon bin ich fest überzeugt. Das Selbstvertrauen europäischer Gründer, Unternehmen von Weltrang zu bauen, war nie höher.”

 

Der Report identifiziert sechs wesentliche Entwicklungen im deutschen Tech-Sektor:

  • Trotz eines turbulenten Jahres haben europäische Tech-Unternehmen Rekordsummen an Investitionen erhalten – auch von US-Investoren.
      • Angetrieben durch mehrere „Megarunden“ ist die europäische Startup-Wirtschaft 2020 auf bestem Wege 41 Milliarden US-Dollar einzusammeln. Ein neuer Rekord. (Quelle: Dealroom)
      • Transatlantische Investment-Aktivitäten waren 2020 stärker denn je: US-Investoren waren an 19 Prozent der diesjährigen Finanzierungsrunden beteiligt (2019: 16 Prozent). Deutsche Unternehmen zogen in den vergangenen fünf Jahren konstant US-Investoren an – speziell in größeren Runden. Bei Finanzierungsrunden zwischen 100 und 250 Millionen US-Dollar stammt zwischen 2016 und 2020 40 Prozent des Kapitals von amerikanischen Geldgebern. (Quelle: Dealroom)
      • Europa verfügt nun über 115 VC-finanzierte Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar (2016: 46). Hopin knackte die eine-Milliarden-Dollar-Marke in nur 17 Monaten. Ein neuer Rekord für das Startup, welches am schnellsten den Einhorn-Status erreichte. (Quelle: Dealroom)
      • Der kumulierte Unternehmenswert aller öffentlicher und privater europäischer Tech-Unternehmen, die nach 2000 gegründet wurden, schießt auf knapp eine Billion US-Dollar (960 Milliarden US-Dollar) in die Höhe. Das Fünffache des Werts von 2016 (191 Milliarden US-Dollar). Der Großteil dieser Bewertungen verbleibt in privaten Märkten (573 Milliarden US-Dollar). (Quelle: Dealroom)
  • Die Zahl von Exits in öffentliche Märkte und M&As ist gering. Es gibt jedoch erste Anzeichen von Veränderungen. Deutschland sticht durch Börsengänge hervor.
      • In Europa wurden bis Ende Oktober 36 Börsengänge von Tech-Unternehmen verzeichnet, darunter einige große Erfolge wie The Hut Group und Allegro. Jedoch wurden nur drei dieser Börsengänge nach dem ersten Handelstag mit über einer Milliarde US-Dollar bewertet. Insgesamt lag das Jahr 2020 hinter dem Rekordjahr 2017 (50 IPOs) und wurde von einer Reihe großer Börsengänge in den USA überschattet. (Quelle: London Stock Exchange, S&P Capital IQ)
      • Europas VC-, PE- und öffentliche Märkte vernetzen sich jedoch stärker. In der Folge entstehen mehr Exit-Möglichkeiten. Seit dem ersten Januar 2019 gab es 17 Private-Equity-Übernahmen europäischer Tech-Unternehmen von über einer Milliarde US-Dollar; darunter Pipedrive und Idealista. VC-finanzierte Unternehmen wie Adyen und Spotify gehören mittlerweile zu den zehn wertvollsten europäischen Unternehmen. (Quelle: Dealroom).
      • Seit 2016 produzierte Deutschland europaweit die meisten Tech-IPOs von über einer Milliarde US-Dollar (fünf). (Quelle: London Stock Exchange, S&P Global)
      • Entgegen des europäischen Trends wählen deutsche Technologieunternehmen für ihre öffentlichen Notierungen konsequent lokale Börsenplätze. Delivery Hero, notiert im Juni 2017, stieg im August 2020 in den DAX30 auf. (Quelle: London Stock Exchange, S&P Global, Atomico)
      • Deutschland erlebte auch den zweitgrößten VC-gestützten Exit des Jahres 2020: Die Oetker-Gruppe übernahm Flaschenpost für über eine Milliarde US-Dollar. Damit ist Oetker das jüngste Beispiel eines etablierten europäischen Unternehmens, welches auf Europas VC-finanzierte Startups für Wachstum und Innovation setzt.
  • Deutschland ist noch immer eines der wichtigsten europäischen Tech-Ökosysteme. Erfahrene Tech-Talente bleiben dem Ökosystem erhalten und beteiligen sich am Aufbau einer neuen Generation von Startups. Bei dieser „Wiederverwendung” erfahrener Talente führt Deutschland Europa an.
      • Seit 2016 wurden insgesamt 12,6 Milliarden US-Dollar in Berliner Unternehmen investiert. Damit rangiert die deutsche Hauptstadt hinter London auf Platz zwei in Europa. Gemessen an der Gesamtzahl der Transaktionen verbleibt Berlin 2020 in Europa auf dem dritten Platz (219). (Quelle: Dealroom)
      • 16 VC-finanzierte deutsche Tech-Unternehmen verfügen über eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar. Sieben davon wurden außerhalb Berlins gegründet und aufgebaut – dem wichtigsten Technologiezentrum des Landes. (Quelle: Dealroom)
      • Erfahrene deutsche Tech-Talente beteiligen sich am Aufbau einer neuen Generation von Startups. 651 deutsche Gründer arbeiteten zuvor für Unternehmen mit einer Bewertung von über fünf Milliarden US-Dollar; die zweithöchste Rate Europas. 65 Prozent der Gründer, die zuvor Teil anderer deutscher Erfolgsgeschichten waren, gründeten schlussendlich auch ihr eigenes Startup hierzulande. (Quelle: Atomico)
  • Die Black-Lives-Matter-Bewegung fördert Europas schwache Werte hinsichtlich ethnischer Vielfalt zu Tage. Zeitgleich geraten die Fortschritte für Geschlechtervielfalt ins Stocken.
  • Für die meisten europäischen Gründer ist es in diesem Jahr schwieriger, Kapital einzusammeln. In verschiedenen Ethnien wiegt diese Entwicklung umso schwerer: 61 Prozent der Schwarzen/afrikanischen/karibischen Gründer, die im Rahmen dieser Studie befragt wurden, geben an, dass es ihnen schwerer fällt, Kapital einzusammeln. Gleiches gilt für 67 Prozent der Gründer gemischter ethnischer Herkunft, 69 Prozent der hispanischen/Latinx-Gründer, 58 Prozent der Gründer asiatischer Herkunft und 56 Prozent der Gründer aus dem mittleren Osten und Nordafrika. Dem gegenüber stehen 55 Prozent der Weißen Studien-Teilnehmer, denen es schwerer fällt, Kapital zu sammeln. Nicht ein einziger Schwarzer/afrikanischer/karibischer Gründer gab an, in diesem Jahr einfacher Venture Capital einsammeln zu können. (Quelle: Umfrage)
  • Seit 2018 stagnieren die Fortschritte in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter: 90,8 Prozent des gesamten Kapitals ging in diesem Jahr wieder an rein-männliche Gründer-Teams (2019: 90,3 Prozent). Keine einzige Finanzierungsrunde über 50 Millionen US-Dollar wurde europaweit von rein-weiblichen Gründerteams eingesammelt. Zwischen 2016 und 2020 flossen nur drei Prozent aller Finanzierungsrunden an weibliche Gründer-Teams. Zum Vergleich: In Großbritannien waren es zu diesem Zeitraum acht Prozent, in Schweden sieben Prozent. (Quelle: Dealroom)
  • Der verstärkte Fokus europäischer Bürger und politischer Entscheidungsträger auf den Klimaschutz bekräftigt dessen Bedeutung als Differenzierungsmerkmal für europäische Tech-Unternehmen.
      • 2020 übersteigt das Wagniskapital für gesellschaftlich nachhaltige, sogenannte „purpose-driven“, Tech-Unternehmen voraussichtlich sechs Milliarden US-Dollar (Quelle: Dealroom). Zwei der zehn größten Finanzierungsrunden für solche „purpose-driven“ Unternehmen erhielten deutsche Startups: Lilium und Volocopter.
      • Investitionen in Europas Startups mit Fokus auf den Klimawandel steigen sprunghaft an. In den letzten fünf Jahren flossen über 11 Milliarden Dollar in europäische Klimaschutz-Startups (SDG Nr. 13); 9,7 Milliarden US-Dollar gingen an Unternehmen, die sich mit erschwinglicher und sauberer Energie befassen (SDG Nr. 7).
      • Der Green Deal der Europäischen Kommission war einer der Schwerpunkte  2020 – und hat das Potenzial, ein wichtiger Katalysator für wertegetriebene europäische Unternehmen zu sein, die sich mit Klimafragen befassen. (Quelle: POLITICO)
  • Europäische Regierungen handelten während Covid-19 schnell und unterstützten hiesige Startups. Dennoch sind viele Gründer noch immer der Meinung, dass Europas politische Entscheidungsträger ihre Bedürfnisse nicht beachten.
    • Im Zuge der Covid-19-Pandemie handelten die europäischen Regierungen schnell und stellten zur Unterstützung und Liquiditätssicherung einen Hilfsfonds von elf Milliarden US-Dollar zur Verfügung. (Quelle: Dealroom)
    • Frankreich bot Startups mit Finanzierungshilfen in Höhe von 3,7 Millionen US-Dollar die großzügigste Unterstützung. Zum Vergleich: In Großbritannien erhielten Startups durchschnittlich 600.000 US-Dollar; in Deutschland durchschnittlich 2,2 Millionen US-Dollar. (Quelle: Dealroom)
    • Dennoch gibt es weiterhin Dissonanzen zwischen Gründern, Investoren und politischen Entscheidungsträgern. Nur 20 Prozent der Gründer und Investoren glauben, dass die Sorgen und Meinungen von Startups und Scaleups von den europäischen Politikern gehört werden. (Quelle: Umfrage).

 

„Das Technologie-Ökosystem hat sich in diesem Jahr trotz der multiplen Krisen bemerkenswert gut gehalten. Während sich die Märkte an die Umwälzungen des Jahres 2020 anpassen, wird die Tech-Branche zweifellos großen Anteil an der wirtschaftlichen Erholung Europas haben”, sagt Chris Grew, ein Londoner Partner bei Orrick, dem seit 19 Quartalen führenden Rechtsberater europäischer Wagniskapitalgeber. „Dieses Jahr verdeutlichte, dass die Tech-Wirtschaft eine gesellschaftliche Führungsrolle übernehmen kann, indem sie die ESG-Prinzipien vollständig übernimmt. Diesen Prozess müssen wir beschleunigen.“

 

Slush-CEO Miika Huttunen bekräftigt: „Dieses Jahr stellte unsere Ausdauer als Individuen und die Widerstandsfähigkeit der Tech-Branche wie kein anderes auf die Probe – und wir haben uns erstaunlich gut behauptet. Denn trotz der Krise sammeln europäische Tech-Startups die insgesamt zweithöchste Finanzierungssumme jemals ein. Und auch wenn die Pandemie noch nicht vorbei ist und einige Ineffizienzen unser Ökosystem noch immer zurückhalten, haben wir die Grundlage für ein erfolgreiches Jahr 2021 gelegt. Inmitten all dessen wollen wir bei Slush, mehr denn je, Gründer unterstützen und die Welt verändern. Die Zeiten waren für Gründer noch nie besser: die Herausforderungen annehmen, nach Lösungen suchen und neue Technologien bauen, mit denen wir das „New Normal” zum besseren Normalzustand machen.“

 

Erin Platts, Leiterin EMEA und Präsidentin der UK-Sparte der Silicon Valley Bank, betont: „Europa ist weiterhin weltweit führend im Technologiebereich – und das starke Ökosystem unterstützt die Unternehmensgründung, das Wachstum sowie die Skalierung innovativer Startups. Dies zeigt sich auch im diesjährigen State of European Tech. Schließlich liegen die globalen und heimischen Investitionen in innovative europäische Unternehmen auch dieses Jahr gleichauf mit dem Niveau von 2019; immerhin dem Rekordjahr für europäische Tech-Unternehmen. Als Mitglieder des Ökosystems spielen auch wir eine wichtige Rolle zur künftigen wirtschaftlichen Erholung in einer Welt nach Covid-19. Europa ist dabei, Weltmarktführer aufzubauen. Und ich bin optimistisch und zuversichtlich, dass der europäische Innovationssektor auch in Zukunft ein krisenresistentes und attraktives Ziel für Investitionen bleibt. Wir bei der Silicon Valley Bank sind stolz darauf, als Partner von Atomico den Erfolg von Europas Innovationssektor zu präsentieren. Gemeinsam können wir weiterhin Wachstum, Disruption, Integration und Innovation vorantreiben – mit dem Ziel, Europa zum Innovationsökosystem Nummer eins weltweit zu machen.“

 

Der State of European Tech 2020 ist unter  www.stateofeuropeantech.com verfügbar.

Source Image: https://www.atomico.com/

 

 

 

 

InsurTech / FinTech: Getsafe sammelt 30 Mio Dollar in  Series-B Finanzierung ein, Lead-Investor ist Swiss Re’s iptiQ 
Identitätsprüfungsplattform IDnow erhält 15 Millionen Euro Wachstumsfinanzierung

Ähnliche Beiträge

Menu